Rt Monitor (346)

Ein Beitrag von weiland Ritter Monitor (346) vom 09.10.2002

Schlaraffia®

Der Name hat weder etwas mit Matratzen, noch mit Schlaraffenland zu tun, wenngleich Schlaraffen aufgrund ihrer Lebensphilosophie auch gelegentlichen lukullischen Genüssen nicht gerade abhold sind.
In Wahrheit wurde der Verein am 10. Oktober 1859 in Prag von den Schauspielern des dortigen Deutschen Theaters zusammen mit kunstbeflissenen Akademikern, Handwerkern und Bürgern vieler Stände gegründet. Sie wollten in dieser Gemeinschaft selbst bestimmen, was aus ihrer Sicht Kunst ist und wollten sich dies nicht vom Hof in Wien diktieren lassen.

Die Kunst ist auch heute noch einer der Eckpfeiler Schlaraffias, wenngleich die Künstler unter den Mitgliedern eine Minderheit geworden sind.

Die Schlaraffia® ist „eine Gemeinschaft von Männern, die in gleichgesinntem Streben die Pflege der Kunst und des Humors unter gewissenhafter Beachtung eines gebotenen Zeremoniells bezweckt, und deren Hauptgrundsatz die Hochhaltung der Freundschaft ist“.

Es sind also gestandene Männer, die sowohl musischen Interessen, wie auch dem Humor aufgeschlossen sind. Sie stammen aus allen Berufen und Gesellschaftschichten. Sie spielen bei ihren Zusammenkünften ein ritterliches Spiel nach zum Teil uralten und sehr genauen Regeln. Sie erhalten innerhalb dieses Spiels Namen (Pseudonyme), die für den Rest ihres Lebens festgeschrieben sind) und bekleiden sich mit gar sonderbaren Gewändern und „Helmen“. Die Welt draußen, die Profanei, versinkt und wird für die Dauer der „Sippung“, also der Zusammenkünfte, vollständig vergessen. Ganz wichtig sind Toleranz und Herzlichkeit, die dem Freunde entgegengebracht werden.

Schlaraffen sind ritterliche Kavaliere, weshalb selbstredend auch die Frauen eine Rolle spielen, die man nicht gering bewerten sollte. Mitglieder sind nur die Männer. Es gibt derzeit ca. 11.000 Mitglieder, vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch in fast allen Ländern unserer Erde. Ihre Sprache ist weltweit Deutsch und mit einigen eigenen Begriffen verziert, vergleichbar etwa der Bergmanns- oder der Seemannssprache.

Schlaraffia® ist keine Loge. Jeder, der der deutschen Sprache mächtig ist und Sinn für Kunst, Humor und echte Männerfreundschaft hat, ist willkommen. Es gibt keine religiösen, rassischen oder sonstigen Vorurteile. Man trifft sich ohne Verpflichtung wöchentlich zwischen dem 1. Oktober und dem 30. April (der „Winterung“). In der „Sommerung“ ruht Schlaraffia®. Die Freundschaft hingegen besteht immer, auch in der „Sommerung“ und auch in der „Profanei“, wo sich Schlaraffen an einer kleinen weißen Nadel am Revers erkennen.