Ritter Unifechs (241)

Schlaraffia® Castellum Peinense
Letzter Ausritt
Fechsung des Ritters Unifechs (damals noch Junker Hans) - Castellum Peinense (241) - gehalten anlässlich der Ahallafeyer der Hannovera am 18. Tag im Windmond a.U. 150

Schlaraffen hört!
Inspiriert durch eine Fechsung, die ich neulich in unserem Reych Castellum Peinense hören konnte, habe ich einen eigentlich nicht möglichen Ausrittsbericht zu Papier gebracht.

Er könnte sich etwa so anhören:
„Geplant hatte ich an sich diesen Ausritt noch nicht, obwohl mir bewusst war, dass ich ihn eines Tages doch würde zwangsläufig unternehmen müssen. Aber die Umstände haben mir einen kleinen Schubs gegeben, und da war ich nun vor der Pforte der mächtigen und eindrucksvollen Burg des Ahalla-Reyches, das Reych mit der Nummer 0, und wollte nun erstmalig dort an einer Sippung teilnehmen. Von den anstrengenden Umständen des ungeplanten Ausritts, aber auch von der langen und mühevollen Anreise war ich noch reichlich müde, benommen und auch etwas verwirrt. Ich trat aber sogleich ein und befand mich in einer weiträumigen Vorburg, hell und stilvoll dekoriert, in der bereits sich eine fast unübersehbare Schar Sassen aufhielt. Offensichtlich kannten sie sich bereits lange und gut, denn sie unterhielten sich in etlichen Gruppen und Grüppchen äußerst angeregt. Ich grüßte die mir am nächsten stehenden mit einem schüchternen „Lulu“ und fragte nach dem Ceremonienmeister, um meinen Einrittszettel ordnungsgemäß auszufüllen. Ins Schmierbuch hatte ich mich ja soeben schon eingetragen.

Der Ceremonienmeister begrüßte mich herzlichst in einer Art, die mich vermuten ließ, er habe bereits von meinem Kommen gewusst, denn er sprach mich direkt mit meinem schlaraffischen Namen an. Nein, ein Zettel sei hier nicht notwendig. Die ewige Stammrolle gebe genau Auskunft über Namen und Einrittsdaten. Daraus habe er alle notwendigen Angaben für die Einrittszeremonie schon entnommen. Ich habe mich dann unter die anderen Schlaraffen gemischt und dabei den einen oder anderen alten Bekannten wiedergetroffen, aber auch viele, die ich nur vom Hörensagen kannte. Wir kamen sogleich ins Gespräch, und ich fragte sie nach deren Weg hierher und einigen anderen Details.

Im bekannten Monty-Python-Film „The Meaning of Life“, also „Der Sinn des Lebens“ wird behauptet, dass im Himmel ständig Weihnachten sei. Im Ahalla-Reych wird dagegen keinesfalls ständig gesippt, wie man annehmen könnte, sondern ganz traditionell allwöchentlich. Damit soll die schöne Vorfreude auf die Sippung erhalten bleiben. An den Sippungen an der großen Tafel nehmen, wie ich bald erleben sollte, stets alle im Ahalla weilenden Schlaraffen teil, also eine ständig zunehmende Anzahl Sassen.
Plötzlich ertönte der vertraute Ruf: „Schlaraffen, rüstet euch! Wir wollen sippen“. Also erst einmal hinein in die Burg.

Erstaunlicherweise fand ich auf meinem Platz meine gewohnten schlaraffischen Utensilien vor. Dem UHU sei Dank! Der Raum selbst war ein eindrucksvoller riesiger Saal im Stil einer mittelalterlichen Burg, aber eher spartanisch dekoriert. Nur an der einen Wand hingen die Wappen und Namen der erloschenen, also gleichsam auch in den Ahalla eingerittenen Reyche. Aber ein zu verehrender Uhu war nirgends an der Wand zu erkennen. Dafür sollte es sogleich eine Erklärung geben. Eigentlich hätte es mich nicht überraschen dürfen, aber erwartet hatte ich es auch nicht: Der UHU fungierte höchstpersönlich und musste auch nicht erst vom Truchsess mit dem AHA geschmückt werden. Kurioserweise, aber ebenfalls bei einigem Nachdenken nicht überraschend, waren alle Reychsämbter durch Urschlaraffen besetzt; sozusagen eine Art schlaraffischen Verursacherprinzips. Erwähnt sei auch das Vorhandensein einer großen und munteren Junkertafel.
Der gewaltige Tamtamschlag, mit dem die Sippung auf Anordnung des Fungierenden eröffnet wurde, hatte es wahrhaftig in sich, denn er erfolgte auf einem monströsen Tamtam. Es war wirklich eindrucksvoll, wie diese riesige Schlaraffenschar das Abendlied anstimmte!

Der Einritt vollzog sich etwas anders als gewohnt. Zuerst schritten durch das Spalier die in der vorausgegangenen Wochung neu eingetroffenen Schlaraffen ein, vom Ceremonienmeister scherzhaft jeweils als Ersteinritt angekündigt, um dann vom Fungierenden UHU herzlichst mit Handschlag (eigentlich eher ein Flügelschlag) und Willekumm begrüßt zu werden. Nach ihnen schritten ebenfalls etliche Ehrenschlaraffen durch das Spalier, die aber eher wie alte Bekannte begrüßt wurden. Über die Ehrenschlaraffen wurde mir berichtet, dass diese keineswegs immer vollzählig an allen Sippungen teilnähmen, sondern eher sporadisch, aber stets mit großem Vergnügen. Eine weitere Besonderheit fiel mir auf: Es gab keinen ambtlichen Teil, da in diesem Reych an sich keine Regularien, Mitteilungen und Ehrungen nötig sind. Auf das Protokoll wird stets verzichtet. Auch die Frage des Fungierenden nach Ausrittsberichten war sicher nicht sehr ernst gemeint. Stattdessen nahmen die verschiedensten Fechsungen den ganzen Zeitraum ein. Bei der Vielzahl verdienter Künstler aller Art unter den Schlaraffen ein wahres und kaum enden wollendes Vergnügen!

Auch der gemeinsame Gesang kam nicht zu kurz. Und was soll ich zu dem Laben sagen? Da der Heimritt logischerweise für keinen Sassen zur Debatte stand, brauchte keiner darauf Rücksicht zu nehmen. Nach dem Sippungsschlusslied und dem Schlaraffenschwur (mit leicht abgewandeltem Text: „Auch nach dem letzten Atemzug lasst uns Schlaraffen bleiben!“) schieden wir voneinander mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit und Freundschaft.

Wahrhaft: Es war eine sehr harmonische Sippung. Schade, dass ich Euch nicht davon werde berichten können.“
Lulu
Jk Hans (241) / 17.04.2009

Letzter Ausritt - Epilog
Schlaraffen hört:
Meine Fechsung ist von der Überzeugung getragen, dass unsere Trauer um jeden Verlust eines lieben schlaraffischen Freundes gemildert wird wenn wir annehmen, dass wir eines Tages wieder in Verbundenheit und Brüderlichkeit miteinander würden sippen dürfen.
Wir können es zwar nicht wissen, aber ich halte den Gedanken allemal für tröstlich.

Lulu!
Jk Hans (241) / 10.11.2009