Ritter Lord Journalje (241)

Schlaraffia® Castellum Peinense

Nach einer Emnid-Umfrage können 56 Prozent aller Männer Kritik ihrer Partnerin ertragen.
Nach weiteren Recherchen sind sechs Prozent davon schwerhörig und der Rest sucht bei Kritik das Weite und findet es in der Kneipe.


Schlaraffen hört, ich freue mich über die unter uns Schlaraffen so erfreuliche und hoffentlich immerdar gepflegte Tradition des Handschlages. Haltet diese Sitte in Ehren!

Die Profanei…
Denn, Schlaraffen hört, es ist doch auch oft so anders: Stellt Euch ein profanes deutsches Wirtshaus vor, eine beschauliche Eck-Kneipe, eine rappelvolle Sportlerklause oder eine verrauchte Schrebergartenkaschemme. Am Stammtisch sitzen neun oder zehn Männer. Die spielen Skat oder sitzen einfach nur so rum, trinken Bier und klönen, warum auch immer. Denn: Wer fragt in Gaststätten schon nach dem Warum?

… lässt grüßen!
Nun kommt ein zehnter oder elfter Mann herein um Bier zu trinken, Schnäpse auszugeben oder dreckige Witze zu erzählen. Weil es ihm zu aufwändig ist, jedem einzeln die Hand zu geben, klopft er kräftig auf den Tisch und sagt: „Ich mach ma’ so.“

Vom Sinn…
Und jetzt stellt sich doch die Frage nach dem Warum. Warum klopft der Mann nicht einfach nur auf den Tisch – jeder würde doch die Absicht verstehen? Warum sagt der Mann „Ich mach ma’ so“ – wenn doch alle sehen, dass er so macht? In der Fronburg setzt sich doch auch niemand an den Computer, legt die Finger auf die Tasten und sagt: „Ich mach ma’ so“ – während er überspitzt ostentativ auf der Tastatur herumkloppt, damit auch ja jeder sieht, was er so macht.

… und Unsinn
Aber ist das, was wie Sprachmüll wirkt, in Wirklichkeit nicht das, wonach sich die deutsche Profanei schon immer sehnte: Denn verbirgt sich in dem Grundgedanken - „Ich mach ma’ so“ – nicht mehr als nur deutscher Pragmatismus, sondern vor allem mediterrane Leichtigkeit, französisches Laissez-faire und südländische Lebensfreude? All das finden deutsche Nichtschlaraffen tief in ihrem Herzen, und zwar dort, wo das Herz am deutschesten klopft: in der verrauchten Gaststätte.

Wenn der Fungierende dreimal klopft
Nun stellt Euch einmal vor, wir würden in unseren Burgen das „Ich mach ma’ so“-Klopfen nutzen!
Ein Beispiel: Unsere verehrten fungierenden Herrlichkeiten begrüßen ja, bisher jedenfalls, jeden eingerittenen Gast nicht nur höchst persönlich. Sondern immer auch respektvoll, in aller Regel freundlich, ja, manchmal geradezu liebevoll.
Und nun, stellt Euch vor, die fungierende Herrlichkeit würde sich erheben, - die sich vor ihr erwartungsvoll im Halbkreis versammelten eingerittenen Sassen lange anschauen - und dann vor sich auf den Thron klopfen und sagen: „Schlaraffen hört, ich mach ma’ so.“
Uhu würde vor Entsetzen aus seiner Erstarrung erwachen und den Thron im Sturzflug mit uraltem Gewölk bombardieren, die meisten Freunde wären vor Lachen in Ohnmacht gesunken und die Sippung ohne Tamtam-Schlag vorzeitig beendet.

Deutschland gewinnt – Zeit
Manchmal ist der durch den Satz „Ich mach ma’ so“ erzielte Zeitgewinn jedoch durchaus auch erstrebenswert.
Schlaraffen, erinnert Ihr Euch noch an die Fußball-WM? Schwarz-rot-geil gegen den Rest der Welt? Gerhard Delling und Günter Netzer kauen in der ARD mühsam den Spielverlauf wider, und Lukas Podulski versucht, einen zusammenhängenden Satz zu sprechen. In Zukunft würde man zunächst eine Einblendung „Deutschland besiegt die alten Herren des TSV Witzmut Aua mit 2:1“ sehen, und dann Netzer und Co wie sie auf den Studiotisch klopfen und sagen „Ich mach ma’ so.“

Einen Handschlag in Ehren…
Schlaraffen hört, von hier aus einen uhuhertzlichen Dank an alle lieben Uhubrüder für jeden freundlichen Handschlag und jedes LuLu.
… wird ein Schlaraffe niemals verwehren
Und die Schlusspointe ist heute von veritabler Unkompliziertheit: Ich mach ma so…

Gepflückt mit freundlicher Genehmigung bei Jan Kröger, Radio Mephisto 97.6, schlaraffisch-bissfest überbacken, gewürzt und serviert von Jk Ulrich, Castellum Peinense (241) - jetzt Rt Lord Journalje.